Forum-Beitrag

Re: FM7 und Instant Web Publishing

Von: Martin Lormes (09.08.2004 - 22:32)

> Und was sagt unser Web-Datenbank Experte Martin Lormes zum IWP unter FM7?

Na, dann will ich mal. Es gab ja auch auf dem letzten Stammtisch in Hamburg hierzu eine etwas längere Diskussion. Meinen dort geäußerten Standpunkt will ich hier komprimiert wiedergeben:

Um IWP macht FileMaker einen für mich unverständlichen Hype.

IWP kommt m.E. in zwei Szenarios in Frage:

=== Ergänzung oder Ersatz von Clients als "interne" Arbeitsplätze: ===
(wobei ich Heimarbeit und Außendienst als "intern" betrachte)

FileMaker ist und bleibt eine Datenbank mit klaren Stärken im Desktop-Bereich. Der Client ist die schärfste Waffe. Es werden aber Hoffnungen auf IWP geschürt, die einfach nicht gehalten werden können. Mit dem Versuch, IWP immer mächtiger werden zu lassen und immer mehr Features des Clients mit mehr schlechter als rechter DHTML/JavaScript Programmierung zu simulieren wird FileMaker sich auf mittlere Sicht eher schaden (wenn sie den Kurs nicht bald korrigieren). Der Client ist die Cash-Cow des Unternehmens. (Dass er einigen zu teuer erscheint ist ein anderes Thema.) Dem Kunden jetzt vorzugaukeln, er können mit IWP auf Clients verzichten, rückt den Client in ein fragwürdiges Licht und ist in vielerlei Hinsicht kontraproduktiv. Wer unüberlegt mit dieser Strategie in ein Projekt stolpert, wird m.E. folgendes erleben und erreichen:

* Die Fähigkeiten des IWP erscheinen als unzureichend.

* FileMaker verliert an Ruf in Sachen Web-Fähigkeiten (viele CWP-Projekte, egal ob CDML oder XML+enabling-technology können sich sehen lassen und brauchen den Vergleich mit anderer Software schon per se nicht scheuen, vom komfortablen Back-End mit FileMaker Clients ganz abgesehen)

* Der Kunde sieht den Preis für FileMaker Clients und erschrickt

* FileMaker wird zu unrecht als zu teuer empfunden und ggf. verworfen

* FileMaker und der Entwickler erleiden sicher einen Image-Schaden

Richtig wäre der Einsatz von Clients. Für Heimarbeit, Außendienst, Filialen und entfernte Standorte, thin-client Bestrebungen etc. nimmt man ggf. RDP oder ICA-Clients (TS/Citrix)

=== Einbindung "externer" Personen in Abläufe im Unternehmen: ===

Auch ein Webshop ist Auftragserfassung durch "externe" Personen.

IWP ist einfach ungeeignet. Selbst für simple Preislisten. Diverse Selbstverständlichkeiten moderner Web-Lösungen lassen sich nicht erreichen. Indizierung einzelner Seiten in Suchmaschinen, Semantische Auszeichnungen, einfache Bookmarks auf Teile des Angebots, individuelles Design, gute oder akzeptable Druckausgaben, Funktionieren auch ohne DHTML und Cookies, z.B. hinter Firewalls mit Content-Filterung in Unternehmen: alles nicht drin. Wenn man sich dieser Limits nicht sehr bewusst ist, sollte man auf IWP im Interesse des Kunden auf IWP verzichten. Und wenn man sich der Limits bewußt ist, wird man verzichten ;)

Richtig wäre: CWP. Es ist zunächst fast egal ob CDML oder sonstwas. Lasso, PHP, ASP und alles andere kehre ich unter einen Hut. Alle benutzten bei FileMaker Pro 6 hinter den Kulissen XML und mit 7/FMSA (Server Advanced) kommt ODBC/JDBC nur noch als zusäztliche Alternative ins Spiel.

Im Übrigen: viele Punkte der obigen Streichliste lassen sich alleine mit CDML nicht erreichen. Ich empfehle in jedem Fall (nicht nur bei CDML, selbst bei Lasso, PHP, ASP etc. Anwendungen) sich mal mit dem Thema URL-Rewriting zu beschäftigen.

Der Anspruch an FileMaker ist einfach absurd, mit dem Erwerb eines Clients für 349 Euro neben eben dem FileMaker Client noch eine omni-potente Entwicklungsumgebung zu erwerben, die Dreamweaver und Konsorten alt aussehen lassen soll.

Fazit: IWP taugt nur im eigenen Unternehmen und auch dort nur für allersimpelste Aufgaben. Und selbst hier: Die Einsparungen bei den Clients (Gibt es in Stückzahlen günstiger!!! Bei Klemens beraten lassen!!!) müssen m.E. schon sehr erheblich sein, um die Produktivitäts- und Komforteinschränkungen aufzuwiegen.

Zuletzt: was ich im FileMaker Magazin (Print) schonmal zu IWP geschrieben habe verliert nicht an Gültigkeit.


So, und jetzt hitzige Debatten? Gerne!


Grüße,
Martin Lormes

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